Autorenporträt: Jonathan On

Jonathan On, geb. 1989 in Köln, lebt und arbeitet seit 2010 als Fluglotse in Hannover. So, wie er seinen technischen Beruf angeht, so geht er auch die Kunst an: präzise, konzentriert, geordnet. Für kreative Herausforderungen hat er seit seiner Jugend immer Raum und Zeit geschaffen: Er verfasst Lyrik auf Deutsch, Englisch und Hebräisch, spielt Klavier und Akkordeon und komponiert Songs für Musiktheater. Einen Großteil seiner Freizeit verbringt er damit, Gesellschaftsspiele mit thematischer Tiefe und mathematischer Logik zu entwickeln.

Seinem Schaffen liegt ein roter Faden zugrunde: der Form kommt ebenso viel Bedeutung zu wie dem Inhalt. Ob durch visuelle oder lautliche Constraints beim Dichten, durch cleveres Design von Spielfeldern, oder durch bedeutungsschwere Regieanweisungen im Theaterstück, Jonathan On überlässt keine Formentscheidung dem Zufall.

Nun ist sein Debuttheaterstück Ein Käfig für Alle bei der Theaterbörse erschienen und feiert damit den Abschluss einer 18-jährigen Entstehungsperiode. Die Idee zu dem Kammerspiel kam ihm zusammen mit einem Freund kurz nach dem Abitur. Die Prämisse stand von Anfang an fest: ein Stück, das von Wahrnehmung handelt und dessen Struktur seinen Inhalt widerspiegelt. Auch die Charaktere waren in groben Zügen früh geschaffen: Anton Augenstern, ein kultivierter, blinder Jude mit pyromanischer Veranlagung, Simone Souvenance, eine Madame mit französischem Akzent und mangelhaftem Kurzzeitgedächtnis, und Max Mustermann, ein Zyniker, der massiv unter Beobachtungswahn leidet, da er das Publikum sehen kann. Gemeinsam warten sie in godot’scher Manier auf einen Arzt, der nicht kommt, und gehen sich dabei verbal an die Gurgel.

Der Schreibprozess nahm in Phasen seinen Lauf, und Jonathan On zog die Fragmente schließlich zu einem philosophisch anspruchsvollen Werk auf, das das Publikum wie kein anderes anspricht und trotzdem voller Humor und Emotion bleibt. Selbst ein großer Fan von rekursiven, vielschichtigen Stories, hat er sich zur Aufgabe gemacht, seinem Publikum die Themen der Tragikomödie – Wahrheit, Schicksal, Gott – durch immersive Metaebenen nahezubringen – sie folgen einem aus dem Theatersaal hinaus. Nun freut er sich, das Stück auf die Bühne zu bringen und wünscht viel Spaß beim Lesen.

 

 

 

 

 

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