„Deck 7“ – Autor Erich Fehr stellt sich und sein Theaterstück vor

 

Als neuen Autor begrüßen wir herzlich Erich Fehr in unserem Verlag. Im Folgenden berichtet er uns eindrucksvoll , wie es zu seinem Theaterstück Deck 7 gekommen ist:

„Wie so viele frisch Pensionierte hatten auch wir einen großen Traum: einmal die Welt umrunden. Nach Jahrzehnten von Arbeit, Familie und Verpflichtungen wollten wir uns diesen lang gehegten Wunsch erfüllen – eine Kreuzfahrt über vier Monate, von Genua über den Atlantik, rund um Südamerika, durch den Pazifik in die Südsee, weiter nach Australien, Indien, durch den Suezkanal und wieder zurück. Gebucht im Frühjahr 2018, sollte es im Winter 2020 endlich losgehen. Die Vorfreude war riesig, die Monate bis dahin schienen sich endlos zu ziehen.

Doch während wir auf den Aufbruch warteten, veränderte sich draußen die Welt. Die Klimajugend machte Schlagzeilen, die Diskussion über CO₂ Fliegen und  Kreuzfahrten nahm Fahrt auf. Immer öfter fragten wir uns: Dürfen wir das überhaupt noch mit gutem Gewissen? Am Ende siegte der Traum. Mit einem Klimazertifikat im Gepäck – zur Beruhigung unseres schlechten Gewissen – und klopfendem Herzen bestiegen wir am 5. Januar 2020 in Genua das Schiff. Die Leinen lösten sich, die Welt blieb zurück. Vor uns lag das große Abenteuer.

Die ersten Wochen waren wie ein Rausch: zahlreiche und unbekannte Länder und Kulturen, neuen Bekanntschaften, ein sorgenfreies, umsorgtes Leben auf einem schwimmenden Hotel,  fast täglich, glitzerndem Meer und das süße Gefühl, endlich Zeit für uns zu haben. Ein Traum ging in Erfüllung.

Doch mitten im Pazifik, im Februar, schlich sich die Wirklichkeit zurück an Bord. Zuerst nur Gerüchte: Ein Virus breite sich von China aus und ziehe um die Welt, vielleicht könnten wir einzelne Häfen nicht mehr anlaufen. Gleichzeitig loderten in Australien gewaltige Waldbrände, Rauchschwaden verdüsterten Sydney. Klima und Pandemie – plötzlich waren die großen Krisen nicht mehr nur Schlagzeilen, sondern Teil unserer Reise.

Der Wendepunkt kam in Sydney. Am 16. März lag unser Schiff mit Blick auf die weltberühmte Oper vor Anker – und doch war das Land unerreichbar. Niemand durfte an Land. Wer von Bord ging, durfte nicht mehr zurück. Erste Regierungen boten Evakuierungsflüge an. Wir standen vor der Entscheidung: bleiben oder heimkehren? Wir entschieden uns fürs Bleiben. Das Schiff schien uns sicherer als das Chaos zu Hause.

Dann begann eine Odyssee. Vor Perth wurden wir von Helikoptern und Kanonenbooten der Küstenwache vertrieben. Tagelang kreisten wir vor der Westküste Australiens, bevor wir schließlich weit draußen vor Colombo ankern durften um Proviant und Treibstoff zu bunkern. Umringt von Hunderten Frachtern und Tankern, die ebenfalls blockiert waren. Ein Hafen, der uns aufnehmen wollte, war nirgends in Sicht.

Die Stimmung an Bord schwankte. Täglich neue Gerüchte, täglich neue angebliche Zielhäfen. Aufgebrachte Passagiere verfassten Petitionen, die Heimat-Presse berichtete von „Gefangenen auf See“. Manche ertränkten ihre Sorgen in Alkohol, andere liefen stoisch ihre Runden auf Deck 7, und wieder andere gaben sich den Aktivitäten der Crew hin. Zwischen Schachturnieren, Karaoke und Tanzstunden wurde klar: wir waren abgeschnitten von der Welt – und damit paradoxerweise am sichersten Ort, den man sich vorstellen konnte.

Endlich, Wochen später, gab Marseille grünes Licht. Am 22. April 2020 liefen wir in den Hafen ein – alle gesund. Von dort ging es mit Bussen direkt nach Hause. Und erst dort, zwischen leeren Straßen, geschlossenen Geschäften und gespenstischer Stille, begriffen wir wirklich, was draußen passiert war.

Diese Erfahrung – eingesperrt auf einem Schiff, ausgeliefert an Gerüchte und Entscheidungen anderer – prägt. Man erkennt schnell, wie Menschen auf Stress reagieren: die einen mit Humor, die anderen mit Angst, manche mit Trotz oder Verdrängung. So entstand in mir die Idee, das Erlebte nicht nur in meinem Reiseblog ( https://rundumdiewelt.ch/reiseblog-worldcruise-2020/ ) festzuhalten, sondern auch in einem Theaterstück zu verarbeiten.

Das Schiff als Metapher: „Wir sitzen alle im gleichen Boot.“ Eine Gemeinschaft, isoliert, ohne Fluchtmöglichkeit, ausgeliefert einer diffusen Bedrohung. Humor, Sarkasmus, Verleugnung – alles prallt aufeinander, und doch ist man aufeinander angewiesen. Die Pandemie dient dabei nur als Hintergrundrauschen, eine Drohkulisse. Sie könnte genauso gut durch eine andere globale Krise ersetzt werden. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, ihre Schwächen, ihr Witz, ihre Strategien, mit dem Ungewissen umzugehen.

Die Figuren sind natürlich fiktiv, ihr Verhalten aber real. Viele Dialoge sind inspiriert von echten Szenen an Bord. Die Route und der Ausgang wurden aus dramaturgischen Gründen angepasst.

Genre, Zielpublikum
Trotz ernster Thematik ist das Stück als Komödie angelegt. Rasante Dialoge, schräge Situationen, unerwartete Wendungen – all das macht es besonders geeignet für Laientheater und ein breites Publikum. Der Untertitel lässt sich variieren: „Eine Kreuzfahrt mit der MS Corona“ für die explizite Pandemiethematik, oder „Franz ist krank“ für den Fokus auf das Menschliche. Auch der Schluss bleibt flexibel und kann aktuellen Weltgeschehnissen angepasst werden.

Zum Autor
Schon als Schüler stand ich regelmäßig auf der Bühne, ehe Beruf und Familie diese Leidenschaft für Jahrzehnte verdrängten. Mit der Pensionierung kehrte sie zurück: Seit neun Jahren spiele ich im Theater88 in Ramsen und genieße es, in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen. Schreiben, Reisen und die

Auseinandersetzung mit dem Weltgeschehen gehören zu meinen Leidenschaften.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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