{"id":804,"date":"2013-11-13T07:00:44","date_gmt":"2013-11-13T05:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.theaterboerse.de\/magazin\/?p=804"},"modified":"2013-11-12T23:07:00","modified_gmt":"2013-11-12T21:07:00","slug":"freimund-pankow-wir-sind-allesamt-kinder-und-schamen-uns-deswegen-keineswegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theaterboerse.de\/magazin\/freimund-pankow-wir-sind-allesamt-kinder-und-schamen-uns-deswegen-keineswegs\/","title":{"rendered":"Freimund Pankow: Wir sind allesamt Kinder und sch\u00e4men uns deswegen keineswegs"},"content":{"rendered":"<p>\u201eErziehen ist kein Kinderspiel \u2013 aber Kinderspiel ist Erziehung. Diese nahezu alle Bereiche umfassende Form von Menschenbildung scheint besonders intensiv und nachhaltig zu sein, wenn man den eigenen Erinnerungen und denen ehemaliger Mitspieler trauen kann. Ich selbst erinnere mich an viele Rollen, die ich seit fr\u00fcher Kindheit gespielt habe, und merke mir Personen oft am besten \u00fcber die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen w\u00e4hrend der Arbeit an einem Projekt; so h\u00f6rt man das auch von anderen immer wieder. Offenbar beruht die gemeinschaftsf\u00f6rdernde Wirkung auf der h\u00e4ufig harten und m\u00fchsamen aber am Ende befriedigenden Gestaltungsarbeit von den ersten Anf\u00e4ngen bis zur Auff\u00fchrung &#8211; mag diese am Ende auch mehr oder weniger gelungen ausfallen.\u201c (Freimund Pankow)<\/p>\n<p>Das Darstellende Spiel hat unseren Autor Freimund Pankow das ganze Leben hindurch nicht losgelassen \u2013 als Darsteller, Spielleiter und Autor. 35 Jahre lang war er an einer Schule f\u00fcr Lernhilfe t\u00e4tig und vermisste \u00a0f\u00fcr den jeweiligen Anlass oft ein St\u00fcck mit einfachen Texten und klar strukturierter Handlung ohne die zur Zeit so beliebten schnellen Schnitte und \u00fcberraschenden Wendungen. \u201eAlso haben wir sie selbst gemacht, indem wir gemeinsam ein die Sch\u00fcler bewegendes Thema in eine dramatische Form brachten, deren roter Faden deutlich genug die Handlung trug und die Sch\u00fcler beim Textlernen nicht \u00fcberforderte. Je besser sich die Sch\u00fcler mit ihrer Rolle identifizieren konnten, desto intensiver wurde ihre Darstellung. Ein Teil der so entstandenen St\u00fccke ist inzwischen ver\u00f6ffentlicht, wenn auch z. T. nicht mehr erh\u00e4ltlich\u201c, erz\u00e4hlt Freimund Pankow.<\/p>\n<p>Auf Dr\u00e4ngen seiner eigenen Kinder und ihrer Freunde gr\u00fcndete unser Autor Mitte der achtziger Jahre in der Kirchengemeinde St. Petri in G\u00f6ttingen-Weende eine generationen\u00fcbergreifende Theatergruppe und leitete sie zwanzig Jahre lang. \u201eEinige meiner eigenen St\u00fccke (z. B. \u201eDie Prinzessin auf der Erbse\u201c) wurden auch von dieser Gruppe mit gro\u00dfer Freude gespielt, andere entstanden hier neu (z. B. \u201eEiner von uns\u201c, \u201eTotentanz\u201c). Mit dieser Gruppe war es m\u00f6glich, komplexere abendf\u00fcllende St\u00fccke zu erarbeiten und zu Gastspielen in die Umgebung zu reisen\u201c, berichtet Freimund Pankow stolz.<\/p>\n<p>Diskussionsw\u00fcrdig scheint ihm nach wie vor die Frage nach der Spielbarkeit von M\u00e4rchen f\u00fcr Jugendliche der Sekundarstufe I, was oft kategorisch abgelehnt wird: \u201eDie Festlegung von M\u00e4rchenstoffen auf Kinder im Vor- und Grundschulalter vermag ich nicht nachzuvollziehen und meine Arbeit an solchen Stoffen mit \u00e4lteren Sch\u00fclern best\u00e4tigt mir, dass gerade auch M\u00e4rchen mit ihren Archetypen, der eindeutigen Rollenstruktur und ihrer stringenten Handlung von diesen gesch\u00e4tzt werden, wenn man mit ihnen die Tiefgr\u00fcndigkeit ihrer Inhalte hinterfragt und etwas weiter in sie eindringt\u201c, sagt Freimund Pankow. \u201eEs ist nicht einmal unbedingt erforderlich, sie vollst\u00e4ndig zu verfremden, um ihnen neue Aspekte abzugewinnen und sie auf diese Weise f\u00fcr \u00c4ltere interessant zu machen. Sie sind es, weil jedes Alter ihnen neue, eigene Aspekte abgewinnen kann und sie deshalb auch nicht langweilig werden. Anders l\u00e4sst sich ihre jahrhundertealte Existenz, lassen sich auch die Erfolge von Harry Potter, Herr der Ringe, Star Trek etc. kaum erkl\u00e4ren\u201c, so der Autor weiter. Die Charaktere seines St\u00fccks \u201ePrinzessin auf der Erbse\u201c hat Freimund Pankow beispielsweise gemeinsam mit den Sch\u00fclern entwickelt, indem sie dar\u00fcber diskutierten, was eigentlich davon zu halten sei, dass f\u00fcr den Prinzen keine Frau in Frage kommt, die nicht extrem empfindsam ist. \u00a0\u201eFrau Holle haben wir im Zusammenhang mit der geschundenen Umwelt gesehen und die beiden unterschiedlichen Schwestern entsprechend dargestellt. Bettelheims \u201eKinder brauchen M\u00e4rchen\u201c m\u00f6chte ich erg\u00e4nzen: \u201eKinder jeden Alters brauchen M\u00e4rchen\u201c. In dieser Hinsicht bin auch ich Kind und sind meine erwachsenen Spieler allesamt Kinder. Und wir sch\u00e4men uns deswegen keineswegs.\u201c<\/p>\n<p>Vom Autor Freimund Pankow sind folgende St\u00fccke im Theaterverlag theaterb\u00f6rse GmbH erschienen:<\/p>\n<p>Des Kaisers neue Kleider <a href=\"http:\/\/www.theaterboerse.de\/shop\/de\/theaterstuecke\/genre-maerchen-kinderstuecke-maerchenelemente-fantasy\/1568-des-kaisers-neue-kleider.html\">http:\/\/www.theaterboerse.de\/shop\/de\/theaterstuecke\/genre-maerchen-kinderstuecke-maerchenelemente-fantasy\/1568-des-kaisers-neue-kleider.html<\/a><\/p>\n<p>Prinzessin auf der Erbse <a href=\"http:\/\/www.theaterboerse.de\/shop\/de\/theaterstuecke\/genre-von-erwachsenen-fuer-kinder\/1573-prinzessin-auf-der-erbse.html\">http:\/\/www.theaterboerse.de\/shop\/de\/theaterstuecke\/genre-von-erwachsenen-fuer-kinder\/1573-prinzessin-auf-der-erbse.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eErziehen ist kein Kinderspiel \u2013 aber Kinderspiel ist Erziehung. 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