Inklusion auf der Theaterbühne: Glückspilzfabrik Teil 6, „Improvisation ist alles“

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Heute lest ihr den sechsten aber hoffentlich nicht letzten Teil unserer Reihe „Inklusion beim Theater“. Hier berichtet unsere Autorin und Theaterpädagogin Sabrina Schultheis von ihrer Arbeit mit behinderten Menschen.

Wir hoffen auf weitere Artikel und Berichte aus der Glückspilzfabrik, denn unserer Meinung nach, kann man über eine so wertvolle Arbeit gar nicht oft genug berichten!

Herzlichen Dank an Sabrina Schultheis!

Wer noch mehr Infos über dieses Projekt haben will schaut einfach auf der Homepage Wolkendinge.com vorbei.

 

 

Teil 6, „Improvisation ist alles“

 

Es gibt im Theater nichts Schwierigeres als das Improvisieren.

Man hat nichts, an dem man sich orientieren oder festhalten kann.

Wie erstellt man sich eine Rolle, baut mit den anderen eine Szene auf und hält sich dann noch an den dramatischen Bogen, so dass es Anfang, Hauptteil und Ende gibt?

Gerade bei der Improvisation gibt es so unfassbar viel zu beachten und das Schlimmste ist: Man kann es nicht proben, es wird nicht inszeniert.

Gerade Menschen mit geistigen Behinderungen benötigen häufig einen engeren Rahmen, an den sie sich halten können, innerhalb welchem sie sich entwickeln können.

Nach und nach kann man dann den Rahmen erweitern.

Nun ist auf der anderen Seite aber Improvisation auch unfassbar hilfreich, wenn man sie denn dann beherrscht. Man kann aus ihnen ganze Theaterstücke bauen, man kann in Impros so viel üben: Bühnenpräsenz, Grundlagen, Sprache, Spontaneität und so viel mehr.

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Also haben wir mit sehr kleinen Improvisationen angefangen- mit sehr genauen Rahmen und vorher genau erstellten Rollenprofilen und Beziehungsstatus aus dem Alltag.

Was könnte zum Beispiel geschehen, wenn Mutter und Kind im Geschäft sind und das Kind unbedingt ein Eis haben möchte?

Nach und nach haben wir dann die Improvisationen immer locker gestaltet, wir haben nur noch Orte ODER Personen vorgegeben, es wurde immer weniger realitätsnah.

Irgendwann hatten die Schauspieler genügend Erfahrung und waren in der Lage, normale Impros zu spielen.

Dann kam die nächste Herausforderung, nämlich die, wieder Rahmen, Bedingungen und Aufgaben aufzubauen,

denn schon bald nahmen die Kurse an Theatersport-Wettbewerben teil.

 

Theatersport, was ist das?

Theatersport wurde von Keith Johnstone entwickelt. Dabei spielen immer zwei Theatergruppen gegeneinander in verschiedenen Disziplinen. Es gibt einen Moderator und einen Schiedsrichter, der zusammen mit dem Publikum die Szenen bewertet.

Disziplinen sind zum Beispiel, dass man nur in Reimen sprechen darf, dass Orte, Personen etc. vorgegeben sind, dass man festgelegte Requisiten hat oder oder oder

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Nach und nach haben wir uns den verschiedenen Theatersport-Disziplinen gewidmet und haben geübt, mit unvorhersehbaren Vorgaben umzugehen. Haben Sie schonmal aus einem Kleiderbügel ein Telefon, ein Bügeleisen und ein Abendkleid imaginieren müssen?

Haben Sie schonmal in ganz genau 60 Sekunden auf einer Bühne für einen Todesfall sorgen müssen?

Der erste Wettbewerb, an dem die Jugendlichen teilnahmen, war sehr erfolgreich, sie landeten gegen Semiprofis auf dem zweiten Platz- aus elf Gruppen!

 

Wenn man Improvisation denn dann mal beherrscht, dann kann man es ständig gebrauchen, im echten Leben genauso wie auf der Bühne.

In 2019 werden wir erneut an einem Wettbewerb teilnehmen, wünscht uns Glück!

 

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Über die Autorin:

Sabrina Schultheis (Kommunikations- und Theaterpädagogin, heilpädagogische Ausbildung, Lehrerin an einer Förderschule) ist seit vielen Jahren als Theaterpädagogin und Regisseurin, auch – aber nicht nur – explizit für Menschen mit Behinderung tätig. Die Stücke wurden mehrfach von der Aktion Mensch gefördert. Sie ist Autorin einiger Theaterstücke (darunter „einfach LEBEN“, „Verdächtige“ u.v.m) und des Buches „Praxisbuch: Theaterarbeit mit Menschen mit Behinderung“, dieses gibt noch mehr Tipps und Hinweise.

 

 

Theaterboerse.de

Euer Theaterverlag für Autoren, Schultheater und Laientheater. Bei uns findet ihr Theaterstücke zum Ausdrucken per Download oder ganz bequem schon fertig gebunden über Versand.

 

 

 

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